Ambrosie – Allergieauslöser und Problemunkraut
Ambrosie - Beschreibung der Pflanze
Ambrosie - Lebenszyklus
Ambrosie - Verbreitung
Landwirtschaftsrelevante Aspekte der Ambrosiaverbreitung
Gesundheitsrelevante Aspekte der Ambrosiaverbreitung
Ambrosiaerhebung 2009
Meldeaufruf
Verwechslungsmöglichkeiten
Ambrosie erkennen
Bekämpfungsaufruf
Vorbeugung und Bekämpfung
Ambrosiafachtagung Hainersdorf 2010
Links
Die Beifußblättrige Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia), u. a. auch Ambrosia, Aufrechtes Traubenkraut und Ragweed genannt, stammt ursprünglich aus Amerika und wurde vor etwa 150 Jahren nach Europa gebracht.
Die Ambrosie ist eine einjährige Pflanze aus der Familie der Korbblütler, die nach der Keimung ab Mitte April zu einer stark verzweigten Pflanze mit bis zu 1,5 m Wuchshöhe heranwächst. Zur Keimung benötigt diese konkurrenzschwache Pflanze ausreichend Licht. Ab etwa Mitte Juli werden die männlichen Blütenstände in traubenartiger Anordnung an den Enden der Triebe sichtbar. Die weiblichen Blüten befinden sich in den Achseln der oberen Blätter. Die Ambrosie hat eine kugelige Wuchsform mit doppelt bis dreifach gefiederten und gestielten Blättern. Die robusten Stängel sind meist rötlich und weich behaart. Verwechslungen sind möglich mit dem Beifuß (Artemisia vulgaris) und dem Weißen Gänsefuß (Chenopodium album). Die Hauptblütezeit liegt in den Monaten August und September. Warmes und trockenes Herbstwetter begünstigt die Entwicklung der Pflanze und das Reifen der Samen. Eine Pflanze produziert zwischen 70 Millionen und 1 Milliarde Pollen, die mehrere 100 km weit fliegen können, und bis zu 3000 Samen. Die 2 bis 4 mm kleinen Samen können bis zu 40 Jahre im Boden keimfähig bleiben, benötigen aber offene Bodenflächen.
Die bevorzugten Lebensräume der Ambrosie sind offene Bodenflächen wie Straßenbankette, Wegränder, Bahndämme, Ruderalflächen (Erd- und Schutthalden, Baugebiete, Mülldeponien), Schottergruben, Industriegelände, öffentliche (Grün)flächen, Hausgärten, Vogelfutterplätze und Äcker.
Sobald die Samen zu Boden fallen, ist der Standort verseucht. Über kürzeste Strecken erfolgt der Transport des Samens mit dem Wind. Die Verbreitung über weitere Strecken und Entfernungen geschieht u. a. durch den Transport von mit Samen kontaminiertem Aushubmaterial, durch mit Erde verunreinigte Reifen von Bodenbearbeitungs- und Erntemaschinen, über mit Ambrosiasamen verunreinigtes Erntegut, durch Mähgut und Mäharbeiten bei der Straßenrandpflege sowie verunreinigtes Saatgut, Vogelfutter und Futtermittel.
Wegen der schwierigen Bekämpfung und der Ertragseinbußen in bestimmten Ackerkulturen stellt die Ambrosie auch ein Problemunkraut in der Landwirtschaft dar.
Durch Verunkrautung mit Ambrosie sind insbesondere Reihenkulturen mit einer eher späten Vegetationsentwicklung wie Sonnenblumen, Sojabohnen, Mais und Ölkürbis gefährdet. Auf Grund der späten Entwicklung ist die Ambrosie mit den üblichen chemischen und mechanischen Maßnahmen nur begrenzt zu kontrollieren und zu bekämpfen. Besonders schwierig ist die Bekämpfung im Ölkürbis und in der Sonnenblume, da chemische Methoden weitgehend ausscheiden. Die Samen sind sehr langlebig und es ist daher mit einer langjährigen Kontamination eines Standortes zu rechnen, wenn es bei einem Erstbefall zu einer stärkeren Samenbildung kommt. Die Eindämmung des Befalls oder die Verhinderung der Ausbreitung ist in diesem Fall oft nicht mehr möglich.
In landwirtschaftlichen Kulturen sind es die Platz-, Nährstoff-, Wasser- und Lichtkonkurrenz, die zusammen mit einem erhöhten Bekämpfungsaufwand zu Ertragseinbußen und Einkommensminderung führen können.
Ambrosiapollen gehören zu den stärksten Allergieauslösern und verursachen Schnupfen, Binde-hautentzündungen, Bronchitis mit Husten, Atemnot und allergisches Asthma.
Die Beeinträchtigungen der Gesundheit ergeben sich aus Besonderheiten der Ambrosie wie
- hohes Ausbreitungs- und Festsetzungspotential,
- Pollenvertragung über mehrere 100 Kilometer,
- späte Blüte, die zur Verlängerung der Pollensaison in die Monate August und September hinein führt,
- besondere Aggressivität der Ambrosiapollen mit hoher Allergiepotenz,
- Kreuzreaktionen mit anderen Pflanzen wie Korbblütlern, Beifuß und einigen Gräsern sowie Lebensmitteln wie Melonen, Bananen, Pfirsiche, Nektarinen, Apfel, Gurke, Zucchini, Sonnenblumen, Margeriten, Gänseblümchen, Arnika und Kamille.
Als Hauptallergene der Ambrosiapollen wurden das Kräuterpollenallergen Amb a1, aber auch andere Allergene wie Profilin (Protein des Zellskeletts) und Calciumionenproteine nachgewiesen.
Die Sesquiterpenlaktone in Stengel und Blättern können kontaktallergische Reaktionen auslösen.
Die genannten Proteine (Eiweise) lösen Allergien vom IGE-Typ mit folgenden Krankheitszeichen aus:
- allergischer Schnupfen mit rinnender, juckender, verstopfter Nase, Niesanfälle
- allergische Bindehautentzündung mit Jucken, Rötung, Brennen, Lichtempfindlichkeit, Tränen der Augen
- Pollen kann tief in die Lunge eindringen und allergische Bronchitis mit Husten und Atemnot sowie allergisches Asthma bewirken.
Diagnose und Therapie
Die Diagnose einer Ambrosia-Allergie ist einfach durch Beobachtung der typischen beschriebenen Beschwerden in den Monaten August und September möglich. Ein Bluttest auf Ragweed (RAST-Kurzbezeichnung w1) bestätigt die Vermutungsdiagnose.
Die spezifische Therapie gegen die Ragweed-Allergie ist die Allergieimpfung oder Hyposensibilisierung. Dadurch soll der chronische Verlauf dieser allergischen Erkrankung mit der Gefahr von Spätfolgen verhindert werden. Symptommindernd können Antiallergika mittels Nasenspray und Augentropfen zur Linderung beitragen.
Ein Grundsatz in der Vorsorgemedizin ist, Exposition soweit als möglich zu vermeiden und andernfalls jedenfalls zu minimieren. Aus diesem Grund kommt der Bekämpfung der Ambrosie zur Vermeidung von Allergenexposition hohe Bedeutung zu und soll deren Bekämpfung als Bürgerpflicht gesehen werden.
Volkswirtschaftliche Auswirkungen
Die Zahl der Allergiker steigt kontinuierlich an, bereits 35 % der Allergiker reagieren auf Ambrosiapollen. Zusätzlich zum individuellen Leidensdruck der Allergiker sind die Kosten durch Behandlung beträchtlich. Die durch die Ambrosie verursachten Kosten pro Allergiker und Jahr betragen um die 630 Euro. Die volkswirtschaftlichen Kosten durch Behandlungen werden in der Steiermark auf mehr als 8 Mio. Euro geschätzt.
Über das Auftreten und die Verbreitung der Ambrosie in der Steiermark war bislang nur wenig bekannt. Um nähere Informationen zu erhalten, wurde begonnen, Einzelpflanzen und Bestände zu erheben. Bis Ende 2009 wurden ca. 300 Fundstellen erhoben bzw. gemeldet, im Jahr 2010 waren es rund 200. Demnach kommt die Ambrosie in nahezu allen steirischen Bezirken - in einigen allerdings nur mit wenigen gemeldeten Exemplaren - vor. Das stärkste Auftreten ist in den Bezirken mit hohem Ackerflächenanteil sowie entlang des höherrangigen Straßennetzes gegeben.
Karte Ambrosiafunde und -meldungen 2008/2009
Karte Ambrosiafunde und -meldungen 2010
Die vorliegenden Angaben über das Auftreten der Ambrosie sind nach wie vor unvollständig und es sollen daher vorhandene Einzelpflanzen und Bestände weiterhin erfasst werden. Für die Bereiche „Landesstraßen B und L" sowie „Landwirtschaft" erfolgt die Erhebung durch die Straßenverwaltung und den Straßenerhaltungsdienst des Landes bzw. die Landeskammer für Land- u. Forstwirtschaft mit den Bezirkskammern.
Für die übrigen Bereiche werden die Gemeinden und die Bevölkerung um Mithilfe gebeten und ersucht, das Auftreten der Ambrosie zu melden!
Mit dem
Digitalen Atlas der Steiermärkischen Landesregierung können Sie die Lage (Katastralgemeindenummer, Grundstücksnummer; Rechts-, Hochwerte) des Fundortes genau bestimmen.

Für die übrigen Bereiche wie z.B. Wegränder, Ruderalflächen(Erd- und Schutthalden,Baugebiete, Mülldeponien), Schottergruben, Industriegelände, öffentliche (Grün)flächen, Hausgärten und Vogelfutterplätze, ist zur erfolgreichen Vorbeugung und Bekämpfung unbedingt die Mithilfe der Gemeinden und der Bevölkerung erforderlich!
Gartenbereich, Einzelpflanzen, kleine Bestände
- Vogelfutterplätze regelmäßig kontrollieren
- Offenen Boden durch Begrünung vermeiden
- Fahrzeuge und Geräte nach Arbeiten auf kontaminierten Flächen reinigen
- Händisches Ausreißen mit der Wurzel
- mehrmaliges, tiefes Mähen möglichst vor der Blüte → ACHTUNG auf WIEDERAUSTRIEB
- Pflanzen in Plastikbeutel mit Restmüll entsorgen und NICHT KOMPOSTIEREN!
- Handschuhe und ev. Staubmaske (Blüte) verwenden
- Chemische Bekämpfung nur mit zulässigen Pflanzenschutzmitteln
Erdablagerungen/Baustellen/Gruben
- Offene Stellen wie Erddepots, Kompostmieten, Flächen, Baustellen, Lagerplätze, Schottergruben etc. werden von Ambrosie besonders schnell besiedelt. Hier ist vor allem die vorbeugende Arbeit in den Vordergrund zu stellen:
- Gezielte Begrünung
- Keine Verbringung von verseuchter Erde
- Fahrzeuge und Geräte nach Arbeiten auf kontaminierten Flächen reinigen
- Blühen bzw. Samenbildung der Pflanze verhindern, indem die Pflanze bekämpft wird:
- Händisches Ausreißen mit der Wurzel
- mehrmaliges, tiefes Mähen möglichst vor der Blüte → ACHTUNG auf WIEDERAUSTRIEB
- Chemische Bekämpfung nur mit zulässigen Pflanzenschutzmitteln
Landwirtschaft
- Offenen Boden durch Begrünung vermeiden
- Kein kontaminiertes Bodenmaterial und Mähgut verbringen
- Feldraine unbedingt von Ambrosiapflanzen freihalten bzw. bereinigen (Kontakt mit Nachbarn)
- Böschungen, Ruderalstandorte sowie Feldwege regelmäßig mähen bzw. mulchen
- Mähdrescher vor dem Weiterfahren - insbesondere in ambrosiafreie Gebiete - reinigen, ebenso Maschinen und Geräte von Erde säubern, um Samen nicht weiterzuverbreiten
- Einzelpflanzen und kleine Bestände rechtzeitig ausreißen, Handschuhe und Staubmaske (Blüte)!
Brachen: mehrmaliges und rechtzeitiges Mähen oder Mulchen,
Getreide: in Getreide wird Ambrosie gut unterdrückt, nach der Ernte ist gegen aufwachsende Ambrosie mechanische Bekämpfung und/oder chemische Behandlung möglich,
Kürbis: in Kürbis ist nur mechanische Bekämpfung (Hacken, Ausreißen) möglich,
Soja: in Soja ist Ambrosie schwer zu bekämpfen, nur wenige Möglichkeiten zur chemischen Bekämpfung,
Sonnenblume: keine chemische Bekämpfung möglich, weil Ambrosie und Sonnenblume derselben Familie (Korbblütler) angehören, mechanische Bekämpfung (Hacken) bei Mais - Reihenweiten möglich,
Mais: neben der mechanischen Bekämpfung ist eine chemische Behandlung mit verschiedenen Pflanzenschutzmitteln - je nach Lage innerhalb oder außerhalb von Wasserschon- und Wasserschutzgebieten - möglich.
Ein neues, allergieauslösendes Unkraut ruft die Landwirtschaft auf den Plan! Bei der Ambrosiafachtagung in Hainersdorf am 26. März 2010 kamen Experten aus verschiedenen Fachrichtungen zusammen, um das Problem der Ambrosie konkret darzustellen.
Folgende Punkte wurden diskutiert:
- Aussehen, Biologie und aktuelle Verbreitung sowie Ansätze zur Bekämpfung und Verhinderung der weiteren Ausbreitung (Univ. Prof. Dr. Gerhard Karrer; Universität für Bodenkultur Wien)
Ambrosia und Allergie (Ass.-Prof. Dr. Siegfried Jäger; Medizinische Universität Wien, HNO-Klinik)
Aktivitäten des Landes Steiermark und rechtliche Rahmenbedingungen(DI Josef Pusterhofer; Land Steiermark, FA10B Landw. Versuchszentrum)
Kommunikation - Strategien für den Umgang mit Ambrosia, in Österreich und bei unseren Nachbarn
(Dr. Michael Mayer; NÖ Landesakademie, Bereich Umwelt u. Energie)
Problematik der Ambrosia im Bereich der Landesstraßen (Ing. Wolfgang Lanner; Land Steiermark, FA18B Straßeninfrastruktur - Bau)
Ambrosia als Problem in der Landwirtschaft, Bekämpfungsstrategien (Dipl.-Ing. Peter Klug; Landeskammer Steiermark, Referat Pflanzenschutz)
Die Kurzzusammenfassungen der jeweiligen Präsentationen können hier heruntergeladen werden









