Ambrosie – Allergieauslöser und Problemunkraut

Ambrosie – Beschreibung der Pflanze

Die Beifußblättrige Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia), u. a. auch Ambrosia, Aufrechtes Traubenkraut und Ragweed genannt, stammt ursprünglich aus Amerika und wurde vor etwa 150 Jahren nach Europa gebracht.

Die Ambrosie ist eine einjährige Pflanze aus der Familie der Korbblütler, die nach der Keimung ab Mitte April zu einer stark verzweigten Pflanze mit bis zu 1,5 m Wuchshöhe heranwächst. Zur Keimung benötigt diese konkurrenzschwache Pflanze ausreichend Licht. Die robusten Stängel sind meist rötlich und weich behaart. Die Hauptblütezeit liegt in den Monaten August und September. Warmes und trockenes Herbstwetter begünstigt die Entwicklung der Pflanze und das Reifen der Samen. Eine Pflanze produziert bis zu 8 Milliarden Pollen, die mehrere 100 km weit fliegen können, und durchschnittlich 4.000 Samen. Die 2 bis 4 mm kleinen Samen können bis zu 40 Jahre im Boden keimfähig bleiben, benötigen aber offene Bodenflächen.

Ambrosie blühende Pflanze 1
Ambrosie blühende Pflanze 1© Landeskammer für Land und Forstwirtschaft Steiermark
Ambrosie blühende Pflanze 2
Ambrosie blühende Pflanze 2© Landeskammer für Land und Forstwirtschaft Steiermark

Ambrosie - Verbreitung

Die bevorzugten Lebensräume der Ambrosie sind offene Bodenflächen wie Straßenbankette, Wegränder, Bahndämme, Ruderalflächen (Erd- und Schutthalden, Baugebiete, Mülldeponien), Schottergruben, Industriegelände, öffentliche (Grün)flächen, Hausgärten, Vogelfutterplätze und Äcker.
Sobald die Samen zu Boden fallen, ist der Standort verseucht. Über kürzeste Strecken erfolgt der Transport des Samens mit dem Wind. Die Verbreitung über weitere Strecken und Entfernungen geschieht u. a. durch den Transport von mit Samen kontaminiertem Aushubmaterial, durch mit Erde verunreinigte Reifen von Bodenbearbeitungs- und Erntemaschinen, über mit Ambrosiasamen verunreinigtes Erntegut, durch Mähgut und Mäharbeiten bei der Straßenrandpflege sowie verunreinigtes Saatgut, Vogelfutter und Futtermittel.

 

nach oben

Ambrosie in Soja
Ambrosie in Soja© Landeskammer für Land- und Forstwirtschaft Steiermark
Ambrosie am Schotterteich
Ambrosie am Schotterteich© Landeskammer für Land- und Forstwirtschaft Steiermark
Ambrosie am Straßenrand
Ambrosie am Straßenrand© Landeskammer für Land- und Forstwirtschaft Steiermark
Ambrosie bei Vogelhäuschen
Ambrosie bei Vogelhäuschen© Dunkl

Landwirtschaftsrelevante Aspekte der Ambrosiaverbreitung

Wegen der schwierigen Bekämpfung und der Ertragseinbußen in bestimmten Ackerkulturen stellt die Ambrosie auch ein Problemunkraut in der Landwirtschaft dar.

Durch Verunkrautung mit Ambrosie sind insbesondere Reihenkulturen mit einer eher späten Vegetationsentwicklung wie Sonnenblumen, Sojabohnen, Mais und Ölkürbis gefährdet. Auf Grund der späten Entwicklung ist die Ambrosie mit den üblichen chemischen und mechanischen Maßnahmen nur begrenzt zu kontrollieren und zu bekämpfen. Besonders schwierig ist die Bekämpfung im Ölkürbis und in der Sonnenblume, da chemische Methoden weitgehend ausscheiden. Die Samen sind sehr langlebig und es ist daher mit einer langjährigen Kontamination eines Standortes zu rechnen, wenn es bei einem Erstbefall zu einer stärkeren Samenbildung kommt. Die Eindämmung des Befalls oder die Verhinderung der Ausbreitung ist in diesem Fall oft nicht mehr möglich.

In landwirtschaftlichen Kulturen sind es die Platz-, Nährstoff-, Wasser- und Lichtkonkurrenz, die zusammen mit einem erhöhten Bekämpfungsaufwand zu Ertragseinbußen und Einkommensminderung führen können.

 

nach oben

Ambrosie im Maisfeld
Ambrosie im Maisfeld© Landeskammer für Land- und Forstwirtschaft Steiermark
Ambrosie im Kürbisfeld
Ambrosie im Kürbisfeld© Landeskammer für Land- und Forstwirtschaft Steiermark

Gesundheitsrelevante Aspekte der Ambrosiaverbreitung

Ambrosiapollen gehören zu den stärksten Allergieauslösern und verursachen Schnupfen, Binde-hautentzündungen, Bronchitis mit Husten, Atemnot und allergisches Asthma.

Die Beeinträchtigungen der Gesundheit ergeben sich aus Besonderheiten der Ambrosie wie

  • hohes Ausbreitungs- und Festsetzungspotential, 
  • Pollenvertragung über mehrere 100 Kilometer,
  • späte Blüte, die  zur Verlängerung der Pollensaison in die Monate August und September hinein führt,
  • besondere Aggressivität der Ambrosiapollen mit hoher Allergiepotenz,
  • Kreuzreaktionen mit anderen Pflanzen wie Korbblütlern, Beifuß und einigen Gräsern sowie Lebensmitteln wie Melonen, Bananen, Pfirsiche, Nektarinen, Apfel, Gurke, Zucchini, Sonnenblumen, Margeriten, Gänseblümchen, Arnika und Kamille.

 

nach oben

Ambrosie Pollen
Ambrosie Pollen© Agroscope ACW
Ambrosia Pollen Schweiz
Ambrosia Pollen Schweiz© Agroscope ACW

Ambrosiaerhebung 2008 bis 2016

Über das Auftreten und die Verbreitung der Ambrosie in der Steiermark war bislang nur wenig bekannt. Um nähere Informationen zu erhalten, wurde begonnen, Einzelpflanzen und Bestände zu erheben. Bis Ende 2009 wurden ca. 300 Fundstellen erhoben bzw. gemeldet, im Jahr 2010 waren es rund 200 und 2011 etwa 150. Die bisherigen Meldungen zeigen ein bereits sehr starkes Auftreten der Ambrosie in den Bezirken Leibnitz und Südoststeiermark sowie im ehemaligen Bezirk Fürstenfeld. In den übrigen Bezirken ist das Auftreten deutlich schwächer bzw. liegen nur wenige Meldungen vor. Auch in den Jahren  2012 bis 2015 sind aus diesen Bezirken nur wenige Funde gemeldet worden. Ein starkes Auftreten ist teilweise auch entlang des höherrangigen Straßennetzes gegeben.  

 Karte Ambrosiafunde und -meldungen 2008/2009

 Karte Ambrosiafunde und -meldungen 2010

 Karte Ambrosiafunde und -meldungen 2011

 Karte Ambrosiafunde und -meldungen 2012-2013

 Karte Ambrosiafunde und -meldungen bis 2014

 Karte Ambrosiafunde und -meldungen bis 2015

 Karte Ambrosiafunde und -meldungen bis 2016

nach oben

Ambrosie erkennen

Ambrosie erkennen
Ambrosie erkennen© Abteilung 10, Swen Follak
Ambrosie Jungpflanze
Ambrosie Jungpflanze© Landeskammer für Land und Forstwirtschaft Steiermark
Ambrosie Blatt
Ambrosie Blatt© Agroscope
Sattgrüne Farbe der Blätter, weißliche Nervatur
Sattgrüne Farbe der Blätter, weißliche Nervatur© Agroscope
Der Stiel der Ambrosiapflanze ist rund und das Aussehen ist rötlich
Der Stiel der Ambrosiapflanze ist rund und das Aussehen ist rötlich© swr.de

Bekämpfungsaufruf

Auf Grund der von der Ambrosie ausgehenden Gesundheitsgefährdung von Menschen und der Gefährdung von landwirtschaftlichen Kulturen ist es notwendig, vorhandene Einzelpflanzen und Bestände weitestgehend zu entfernen und die weitere Ausbreitung der Pflanze zu verhindern. Von Seiten der Straßenverwaltung des Landes und der Landwirtschaftskammer werden die erforderlichen Veranlassungen für die Bereiche „Landesstraßen B und L" und „Landwirtschaft" durchgeführt.

Für die übrigen Bereiche wie z.B. Wegränder, Ruderalflächen(Erd- und Schutthalden,Baugebiete, Mülldeponien), Schottergruben, Industriegelände, öffentliche (Grün)flächen, Hausgärten und Vogelfutterplätze,  ist zur erfolgreichen Vorbeugung und Bekämpfung unbedingt die Mithilfe der Gemeinden und der Bevölkerung erforderlich!

nach oben 

Vorbeugung und Bekämpfung

Gartenbereich, Einzelpflanzen, kleine Bestände

  • Vogelfutterplätze regelmäßig kontrollieren
  • Offenen Boden durch Begrünung vermeiden
  • Fahrzeuge und Geräte nach Arbeiten auf kontaminierten Flächen reinigen
  • Händisches Ausreißen mit der Wurzel
  • mehrmaliges, tiefes Mähen möglichst vor der Blüte → ACHTUNG auf WIEDERAUSTRIEB
  • Pflanzen in Plastikbeutel mit Restmüll entsorgen und NICHT KOMPOSTIEREN!
  • Handschuhe und ev. Staubmaske (Blüte) verwenden
  • Chemische Bekämpfung nur mit zulässigen Pflanzenschutzmitteln

Erdablagerungen/Baustellen/Gruben

  • Offene Stellen wie Erddepots, Kompostmieten, Flächen, Baustellen, Lagerplätze, Schottergruben etc. werden von Ambrosie besonders schnell besiedelt. Hier ist vor allem die vorbeugende Arbeit in den Vordergrund zu stellen:
    • Gezielte Begrünung
    • Keine Verbringung von verseuchter Erde
    • Fahrzeuge und Geräte nach Arbeiten auf kontaminierten Flächen reinigen
  • Blühen bzw. Samenbildung der Pflanze verhindern, indem die Pflanze bekämpft wird:
    • Händisches Ausreißen mit der Wurzel
    • mehrmaliges, tiefes Mähen möglichst vor der Blüte → ACHTUNG auf WIEDERAUSTRIEB
    • Chemische Bekämpfung nur mit zulässigen Pflanzenschutzmitteln

Landwirtschaft

  • Offenen Boden durch Begrünung vermeiden
  • Kein kontaminiertes Bodenmaterial und Mähgut verbringen
  • Feldraine unbedingt von Ambrosiapflanzen freihalten bzw. bereinigen (Kontakt mit Nachbarn)
  • Böschungen, Ruderalstandorte sowie Feldwege regelmäßig mähen bzw. mulchen
  • Mähdrescher vor dem Weiterfahren - insbesondere in ambrosiafreie Gebiete - reinigen, ebenso Maschinen und Geräte von Erde säubern, um Samen nicht weiterzuverbreiten
  • Einzelpflanzen und kleine Bestände rechtzeitig ausreißen, Handschuhe und Staubmaske (Blüte)!

Brachen: mehrmaliges und rechtzeitiges Mähen oder Mulchen,
Getreide: in Getreide wird Ambrosie gut unterdrückt, nach der Ernte ist gegen aufwachsende Ambrosie mechanische Bekämpfung und/oder chemische Behandlung möglich,
Kürbis: in Kürbis ist nur mechanische Bekämpfung (Hacken, Ausreißen) möglich,
Soja: in Soja ist Ambrosie schwer zu bekämpfen, nur wenige Möglichkeiten zur chemischen Bekämpfung,
Sonnenblume: keine chemische Bekämpfung möglich, weil Ambrosie und Sonnenblume derselben Familie (Korbblütler) angehören, mechanische Bekämpfung (Hacken) bei Mais - Reihenweiten möglich,
Mais: neben der mechanischen Bekämpfung ist eine chemische Behandlung mit verschiedenen Pflanzenschutzmitteln - je nach Lage innerhalb oder außerhalb von Wasserschon- und Wasserschutzgebieten - möglich.


nach oben

War diese Information für Sie nützlich?

Danke für Ihre Bewertung. Jeder Beitrag kann nur einmal bewertet werden.

Die durchschnittliche Bewertung dieses Beitrages liegt bei ( Bewertungen).